Visionenwerkstatt – die Baupiloten

Am 30. Oktober 2019 wurden ab 16 Uhr in der Aula der B.-Traven-Gemeinschaftsschule im Beisein der Gesamtelternvertretung (GEV) und unter reger Schülerbeteiligung sowie eines Gastes des Bezirkselternausschusses die Ergebnisse der Partizipationskonferenzen und deren Zusammenfassung zur baulichen Zukunft der Schule präsentiert.

Nach den einleitenden Worten des Schulleiters Herrn Philipp Wendland erläuterten Frau Susanne Hofmann und Frau Merle Sudbrock von dem mit dem Prozess der Mitgestaltung betrauten Architekturbüro, den Baupiloten BDA Architektur, wie die Ergebnisse der Visionenwerkstatt und der drei Workshops der Erwachsenen, Jugendlichen und Kinder in die Realität umgesetzt werden könnten. Vorab wurden dabei in einem kurzen Rückblick die einzelnen Resultate der vergangenen Etappen zusammengefasst. Die verschiedenen Umsetzungsvorschläge wurden durch jene Bilder bestehender Schulen ergänzt, die zum Großteil bereits im Workshop zu sehen waren.

Aufgabe der Baupiloten in dieser Phase war nicht nur, den verschiedenen Vorstellungen eine gemeinsame Struktur zu geben, sondern auch, in Zusammenarbeit mit der für das Bauvorhaben verantwortlichen Howoge, vertreten durch den Projektleiter Herrn Axel Zoske diese im Einklang mit den gesetzlichen Bestimmungen, den Raumvorgaben des Senats, den Anforderungen des Bezirks und den Vorstellungen für zukünftige Schulgebäude der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie im Einklang zu bringen. Die folgenden Fragen wurden erörtert: Was kann saniert werden, was soll neu gebaut werden, welche Bereiche brauchen grundsätzliche und besondere Ausstattungen und wie könnten diese baulich so umgesetzt werden, sodass über einen Schultag hinweg möglichst viele Nutzungen jedes Raumes möglich werden. Auf dieser Arbeit wird dann die auschlaggebende Machbarkeitsstudie der Howoge aufbauen, die wiederum Basis des ersten Entwurfes des beauftragten Büros Anderhalten Architekten ist, vertreten durch Herrn Florian Illenberger und Frau Lea Storz. Dieser Entwurf und der damit verbundene Kostenplan müssen dann von der Howoge, dem Bezirk und dem Senat, vor allem was die Finanzierung angeht, freigegeben werden, bevor der Um-/Bau beginnt.

Herr Zoske erläuterte, dass der ursprüngliche Plan, 2021 mit den ersten Baumaßnahmen zu beginnen, wegen der verzögerten Antworten des Senats und des Bezirks jetzt schon kaum zu halten wäre und man wohl erst 2022 starten könne. Gleichzeitig unterstrich Herr Illenberger, dass ein Umbau mit Sanierung und Neubau im Betrieb längerer Planungs- und Umsetzungszeiten bedarf und es nicht unter eineinhalb Jahren Planung und mindestens zwei Jahren Baumaßnahmenzeit ginge. Der gesamte Prozess wird sich somit bis 2024/2025 fortsetzen. Mit dieser Perspektive werden die heutigen Grundschüler die Mittelstufe in einer neu gestalteten Schule durchlaufen können. Als schwacher Trost für die im Partizipationsprozess sehr engagierten Mittelstufenschüler: Mit ihren Ideen und Anregungen werden sie ihren Nachfolgern eine lebens- und lernfreudige Schule übergeben.

Konkret entstanden in der Vorstellung der Baupiloten ein gemeinsamer, zwei sich teilweise überschneidende und zwei getrennte Schulbereiche, die jeweils weiter unterteilt sind. Der gemeinsame Abschnitt betrifft das Ankommen, den Tagesbeginn: ein großer Eingangbereich für die gesamte Gemeinschaftsschule, aus dem jeder dann seinen Weg geht und an den wesentliche zentrale Räume angebunden sind, wie die Verwaltung, die Hausmeisterei, die Mensa und die Cafeteria, aber auch Orte zur Entspannung, für Therapie- und Sozialarbeit.

Die sich teilweise überschneidenden Bereiche sind die Kreativwerkstätten, die Mediothek, die Sportstätten und Teile der Grünanlagen, die sowohl von der Grund- als auch von der Mittelstufe zeitlich parallel oder versetzt genutzt werden können.

Voneinander getrennt sind hingegen die Bereiche der zweizügigen Grundstufe und der sechszügigen Mittelstufe. (Die Oberstufe wird ja im Verbund mit weiteren Einrichtungen an anderen Orten in Spandau unterrichtet.) Basierend auf dem neuen Schulmodell der SenBJF werden einzelne Stufen zu Compartments zusammengefasst, die wie eine „Schule in der Schule“ mit eigenen Klassen, gemeinschaftlichen Bereichen und Teamräumen ausgestattet werden; diese Compartments können horizontal durch Jahrgangsstufen, vertikal über die Züge oder diagonal über die Fachbereiche gestaltet werden.

Da für die Grundstufe zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht feststeht, ob das bestehende jahresübergreifende (JÜL) Konzept für die Klassen 1 bis 3 auch in den künftigen Klassen 4 bis 6 fortgesetzt werden soll, wurden hier zwei Compartments für diese zwei Bereiche vorgeschlagen. Also eine Einheit 1-3 und eine für 4-6, die sowohl im Klassenverbund als auch im JÜL-Prinzip umgesetzt werden kann. Pro Klasse soll es eine Stammgruppenraum mit einer Fläche von jeweils 80 m² geben. Jedes Compartment verfügt über eine zentrale Gemeinschaftsfläche von 204 m², Lagerräumen von 60 m² und einem ebenso großen Teamarbeitsbereich. Die zwei Compartments der Grundschule verfügen über einen gemeinsamen 160m²-großen Mehrzweckbereich im Ankunftsbereich und teilen sich vier Lern-/Forscherwerkstätten mit insgesamt 340 m².

Für die Mittelstufe wurden ebenfalls zwei Compartments entwickelt: ein erstes, klassengebundenes, für den siebten Jahrgang, und ein zweites für 8-10, dass sich stärker am Fachraumprinzip orientiert. Für jede Jahrgangsgruppe sind sechs Kurs- oder Stammgruppenräume (7. Jahrgang) à 70 m² eingeplant sowie vier gemeinsame Mehrzweckforen à 140 m² und je 80 m² für die Teamarbeit und das Materiallager der Lehrer. Für die Jahrgänge 8-10, die keine eigenen Klassenräume haben, sind pro Altersgruppe weitere Räume für 120 m² als „Zuhause“ vorgesehen. Hinzu kommen die Fachbereiche und die Werkstatt für die gesamte Sekundarstufe. Der Fachbereich NaWi mit 780 m² wird mit 6 Fachräumen, einem Lager für die Sammlung, einem Nischenort und einem Teambereich ausgestattet. Ähnlich der Fachbereich WAT mit 620 m². In der 185 m² großen Lern- und Forscherwerkstatt werden auch die IT-Räume untergebracht. Der gemeinsame Ankunftsort der Mittelstufe ist mit 300 m² angesetzt.

Gemeinsam werden alle Schülerinnen und Schüler auf den Fachbereich Kreativität (605 m²) mit vier Fach- und zwei Übungsräumen für Musik und Kunst, sowie einem Nischenbereich und einem Team- und Materialraum zurückgreifen und die 204 m² große Mediothek samt Entspannungsoase nutzen können. Im zentralen Eingangsbereich werden die große Mensa (die abseits der Essenszeiten auch anderweitig genutzt werden kann), die kleinere Cafeteria und ein Mehrzweckraum um das Foyer geplant – für insgesamt 1.106 m². Ebenso schließt sich hier der gemeinsame Teambereich der Lehrkräfte mit 225 m² an.

Auf die Frage der GEV, wie man diese vielen Räume aus Lehrersicht unter Kontrolle haben könne, wurde von Seiten der Baupiloten auf Architekturlösungen wie gemeinsame Sichtachsen, semitransparente Wandelemente und radial angelegte Strukturen verwiesen, aber auch darauf, dass die Erfahrung gezeigt habe, dass die Eigenverantwortung der Schülerinnen und Schüler in partizipativ geplanten Schulgebäuden sehr hoch sei.

Die nächsten Etappen werden der Entwurf der Architekten, die endgültige Zusage von Bezirk und Senat und der Bauzeitenplan der Howoge sein. Darin wird sich zeigen, was (mit entsprechender Sanierung) bestehen bleibt, was (als Neubau) entstehen wird, wann wo was baulich umgesetzt wird und – vor allem – wie das neue Gesamtgebäude der B.-Traven-Gemeinschaftsschule aussehen wird.